Kindertheater aus Bayern und Europa in Nürnberg
7. bis 12. Februar 2012
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Jim Knopf aus der Dose
Fantastisches vom Puppentheater
Frau Waas entschlüpfte einer leeren Kaffeedose. Ihr "Haus" wie auch das der anderen Lummerland-Bewohner stand auf einem bunten Fass, auf dessen Deckel die Lokomotive Emma kreiste. Mit verblüffenden Ideen hat das Puppentheater Kuckucksheim Michael Endes "Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer" im Kulturhaus Abraxas inszeniert. Genial: Mittels Dosen, Fässern und Büchsen schufen sie eine wandelbare Landschaft. Darin agierte Stefan Klügel, indem er erzählte, die Figuren führte, sang und gleichzeitig umbaute.
Ein blaues Tuch wurde zum Meer, über das Jim Knopf und Lukas mit der Blechdosen-Lokomotive zu ihren Abenteuern hinaussegelte. Plötzlich fanden sie sich im Palast des Kaisers von China wieder, auf dessen hohen Stufen sich die "drei Bonzen" wichtig machten. Herrlich ihre gelben runden Wackelgesichter aus aufgestellten Dosendeckeln.
Zauberhaft, wie mit einem Projektor Bilder einer Fata Morgana auf ein Fass als "Leinwand" geworfen wurden. Oder die Schulstube bei Frau Mahlzahn, wo die entführten Schulkinder als Steckfiguren wie bei einem Papiertheater anzutreffen waren. Klügel zündete aus dem Vulkan des Halbdrachens Nepomuk ein Feuerwerk und ließ auch die Lokomotive Emma fauchen und dampfen. Bei aller Spannung fehlten die leisen und zärtlichen Töne nicht, vor allem wenn es um die Freundschaft zwischen Jim Knopf und dem Lokomotivführer ging. (gek)
Augsburger Allgemeine, 18.2.20

Schräg und urkomisch
Bremer Stadtmusik
Der Esel spielt plötzlich schräg auf siner Posaune. Kein Wunder, wenn man Hunger hat. Auch dem Hund, der Katze und Frau Hahn ist die Freude am Musizieren vergangen. Das Nürnberger Theater "Pfütze" hat mit "Bremer Stadtmusik – live!" das Grimmsche Märchen urkomisch und vergnüglich auf die Bühne im Kulturhaus Abraxas gebracht.
Köstlich die Charaktere: der Hund mit seinem derb-bayerischen Dialekt, der sich ständig mit der stotternden Katze hakelt; der graue, nicht gerade nach Rosen duftende Esel und schließlich "Frau Hahn" mit ihrem schrillen Sopran.
Das Stück erzählt liebenswürdig von der gemeinsamen Suche der Verlorenen nach einer besseren Welt. Bremen, die "Metropole der Eiszapfen und Palmwedel", wird zur Traumstadt. Vor einem roten Vorhang als Kulisse machen die vier sich gemeinsam auf, verirren sich, streiten sich, finden trotz aller Schrullen wieder zueinander So inniglich drücken sie sich im Schlaf aneinander, dass sie sich – ein artistisches Kunststück – fast miteinander verknoten. Komödiantisch die vielen Slapsticks und herrlich der Wortwitz: "Obacht, Räuberer!", ruft der Hund einmal.
Und was wäre das ganze ohne die Musik? Immer wieder griffen die vier zu ihren Instrumenten. Erst köstlich schräg, vom Tango bis zur Gstanzlmusik, zum Schluss fröhlich-harmonisch bei einem fetzigen Rock. (gek)
Augsburger Allgemeine, 18.2.2

Rotkäppchen mit Ei und Kartoffelbrei
Gemütlich-kuschelig machte es die Gruppe 38 ihren jungen Zuschauern. Direkt auf der Bühne auf Holzbänken, Aug in Aug mit den Darstellern, platzierte Schauspielerin Bodil Alling die Kinder zum Auftakt des Theaterfestivals Panoptikum im abraxas. Mit Raffinesse gestaltete die dänische Truppe auf dem Transporter ihr witzig-pfiffiges Stück „Eine kleine Sonate“.
Im Fahrerhäuschen sind Soren Sondberg und Christian Glahn eingezwängt, hören Radio, bis es an die Vorstellung geht. Sie reagieren gelassen auf die schimpfende Alling. Auf der Ladefläche sitzt ein Huhn. Im Laufe der schwierigen Vorbereitungen gesellen sich weitere Figuren dazu, die entweder verschwunden oder gegessen oder sonst wie verloren gingen: ein Ei (Rotkäppchen), das erst noch gelegt werden muss, eine alte Kartoffel aus dem Müll (die Oma), eine „total verklebte Kartoffelpresse, die abgewaschen aussehen soll“ (der Wolf) und statt dem Gewehr eine Fliegenklatsche.
Die umgeklappte Ladefläche verwandelt sich in eine geschachtelte Kulisse mit Tür, Hühnerstall, beleuchteten Kästchen und Schubladen. Mit reichlich Charme präsentierten die Erzählerin, ein cooler, machohafter Komponist am Kontrabass und ein Tollpatsch am Akkordeon das Märchen von Rotkäppchen einmal ganz anders. (juni)
Augsburger Allgemeine Zeitung, 10.2.2010

Erziehung & Emotionen
Kinder bedeuten Glück und Zuneigung, aber auch Chaos und Widerstand. Erziehung als Spannungsfeld brachte die Performance „How can we hang on to a dream“ zum Festival Panoptikum im abraxas auf die Bühne. Diese Nürnberger Produktion führte Grundschüler und internationale Performer zusammen.
Aus Sicht der Kinder erzählt das Stück von Erziehung, Kontrolle, Fürsorge, Liebe und Wut. Schlagworte wie „Müssen“, „Sollen“ oder „Dürfen“ standen auf großen Kartons, die ein variables Bühnenbild bildeten - mal als undurchdringliche Wand, mal als bewegliche Säulen.
Wunderbar verschmolz das Spiel der Kinder mit dem der professionellen Künstler. In Tanz, Gesten und Sprache zeigte sich das Miteinander, aber auch das Gegeneinander von Kindern und Erwachsenen. Sie boxten und umarmten sich, sie wehrten einander ab - und im nächsten Moment schon hingen die Kinder den Eltern zärtlich am Hals oder durften an ihren ausgestreckten Armen im Kreise schwingen.
All dies kam genial kreativ daher, mal mit vertauschten Rollen, mal völlig überspitzt, mal leicht und voller Witz, etwa dort, wo ein Kind meinte: „Ich wünscht, ich könnte zaubern.“ Im Handumdrehen flatterte ein Erwachsener gackernd über die Bühne. Köstlich. (gek)
Augsburger Allgemeine Zeitung, 10.2.2010